In eigener Sache

Geposted von Claudia Sontheim am

Cool, wenn solche Menschen uns durchs Leben begleiten.

Wolfgang Panzer, Drehbuchautor und Filmregisseur macht ganz spezielle, persönliche Filme, die unter die Haut gehen.
Im Fernsehen aus Serien wie "Tatort" oder "Der Fahnder" bekannt, kehrt er jetzt zu seinen Urprüngen in diesem Medium zurück, schreibt und verfilmt wieder eigene Stoffe. Es wurde auch Zeit.
Wer einen Film von Wolfgang Panzer sieht, wird ihn so schnell nicht wieder "los". Die Figuren, die Geschichten, die Stimmungen begleiten uns danach durchs Leben, wie ein feines Parfüm, immer wieder abrufbar, immer stimmig.

Sein neuester Film "Meeresleuchten", mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle, wird am 17.2.21 im ARD ausgestrahlt.

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Kennt ihr: Le Baratin, Paris?

Geposted von Claudia Sontheim am

Alors... Das Bistrot „Le Baratin“ im Viertel Belleville in Paris ist der Grund, warum ich Köchin geworden bin.

2001 zog ich nach Paris, um Kunstgeschichte an der L' Ecole du Louvre zu studieren. Ein Freund meines Vaters, Marc Sibard von der „Cave Augé“, eine der ersten Naturweinhandlungen in Paris, lud uns damals ins „Le Baratin“ ein, dem Geheimtipp, in dem Naturwinzer, Starköche und Pariser Intellektuelle aller Couleur bunt durchmischt nebeneinander aßen, tranken, diskutierten und philosophierten.
Ein kleines Bistrot, fast keine Dekoration, vielleicht 10 Tische, Raquel Carena in der Küche, Philippe Pinoteau (Pinuche) hinter der Bar. Schon beim ersten Bissen dachte ich sofort: „Das will ich auch machen… eines Tages!“. Alles kam erstaunlich einfach daher, von einer Kraft jedoch, die mich umgehauen hat. Dazu diese wunderbaren Naturweine. Da wusste ich, ich muss kochen lernen.

Angefangen hat das dann für mich ein paar Jahre lang in der Schweiz im Sternelokal „La Grappe d´Or“. Über Umwege Stationen in verschiedenen Küchen habe ich’s nach Paris zurückgeschafft. 2006 konnte ich mich als Küchenhilfe ins „Le Baratin“ einschleichen. Beim Über-die-Schulter-Schauen lernte ich von Raquel, die Schönheit von Produkten in ihrem wahren Rohzustand zu erkennen, diese nur so wenig wie nötig zu be- und verarbeiten, sie leben zu lassen und ihre Geschichte allein mit Feinsinn zu unterstützen.

Das unkomplizierte Mittagessen für Raquels Leute aus dem Viertel, das mehrfach ausreservierte Abendessen, die ausgesuchte, klassische Musik ab Mitternacht, das Verköstigen und Trinken rarer oder einfacher Flaschen, die hitzigen Diskussionen um die Probleme des Lebens und der Welt bis spät in die Nacht. Eine Atmosphäre, in der Essen, Trinken, Geschmacksabenteuer, Lust und Wohlfühlen immer wieder zu einem einzigartigen Erlebnis verschmelzen.

Meine Lieblingsgerichte von Raquel sind ihr „Tartare von der Meeresche mit frischen Kirschen“ und „Kalbsbriesnuß mit Zitronenbutter“.

Herzlichen Dank, Manina Leipert @ma_nina_a_moi

 

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Was war deine erste Flasche Naturwein?

Geposted von Claudia Sontheim am

Neulich im Internet begegnete mir eine Flasche Mazière.

Sie begrüsste mich als vertraute Erinnerung. Auf dem FB post das Bild einer Flasche von vor 2006, bevor uns der Magier Jean-Michel Labouygues für immer verlassen hatte. Ein junges Paar hat vor wenigen Jahren das Weingut übernommen, aber die ausserordentlichen Weine Jean-Michel gibt es nach 2006 nicht mehr.

So wie man früher auf den nächsten Film von Godard oder Truffaut aus dem "Nouvelle Vague" des Films gespannt wartete, wartete man nun jedes Jahr auf den neuen Mazière, aus der "Nouvelle Vague" des Weins, dem "vin naturel". Sobald er da war, nahm der Kampf um die wenigen Flaschen seinen Lauf.

Angefangen hat das Ganze in den Neuzigern. Wir arbeiteten mit einer Toncutterin an einem Film in Paris. Beim Mittagsessen des Teams gab’s immer grosse Weine. Ich liebte das und deshalb besuchten wir ihren Mann, der damals die Cave Augé leitete, einen der bekanntesten Weinläden in Paris. "Was trinkst du am Liebsten?" war seine erste Frage. Ich zielte mittelhoch. Pichon Lalande 1961. Flasche auf. Der Korken perfekt. Der Wein grandios, ging gottseidank aufs Haus mit seinen über FF 600.-  (ca 120 EUR). Dann kam eine unscheinbare Flasche für kleine FF 24.-. Naja, so nebenbei eingeschenkt. Naja hin oder her, schon beim ersten Schluck war mir klar, dass ich hier etwas Neuem, Ungewöhnlichem, vollkommen Eindrücklichem und Bewegendem begegnet war.

Dieser Wein war ein emotionelles Abenteuer.

Es war Mazière! Ein kleiner Schluck vom illustren Pichon Lalande zum Vergleich und ich musste schmerzlich feststellen, dass ich alles, was ich über Wein wusste über Bord werfen konnte, und ich bildete mir damals ein, Einiges über Wein zu wissen. Hier war Frische, Eleganz, geschmacklich explodierende Vielfalt, eine filigrane, gotische Kathedrale neben der puristischen Eindimensionalität dessen, was ich bis dahin im besten Fall gewohnt war. Aber ist das Leben nicht eine nimmer endende Gewohnheit? 

Das Erlebnis Mazières hat jedoch meine Gewohnheiten und mein Verhältnis zu Wein gänzlich umgekrempelt, mich mit den Naturweinen in Berührung gebracht und einen vollkommen neuen und spannenden Abschnitt in meinem Leben entstehen lassen.

Ich vermisse oder bereue das damals Verlorene bis heute nicht und erlebe im Abenteuer Naturwein immer Neues und Unbekanntes, bei dem ich stets bereit bin dazuzulernen und mir neue Gewohnheiten zu eigen zu machen.    

Herzlichen Dank, Wolfgang Panzer, Filmregisseur @wolfgangpanzer   

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Kennt ihr die Traube "Melon-à-queue-Rouge"`

Geposted von Claudia Sontheim am

Lässiger Mutant

Ob Melon-à-Queue-Rouge als eigenständige Rebsorte betrachtet werden kann, ist strittig. Jedenfalls hat sie nichts mit der Sorte Melon de Bourgogne zu tun, die, obwohl sie so heißt, nicht im Burgund, sondern an der Loire wächst. Und sie ist auch, obwohl sie ausschließlich im Jura vorkommt, nicht identisch mit Melon de Jura, der Rebsorte, die unter dem Namen Aligoté bekannt und im Burgund zu Hause ist. Vermutlich ist Melon-à-Queue-Rouge nicht mehr als eine mutierte Chardonnay-Rebe, die ihren Namen – roter Schwanz – aus dem rötlich verfärbten Stiel zieht. Dass sich solch eine Mutation auf das Aromenprofil des Weins niederschlagen muss, ist nicht gesagt und deswegen ist es vermutlich sinnig, Melon-à-Queue-Rouge als Chardonnay aufzufassen.

Der Verdacht, dass Melon-à-Queue-Rouge einfach Chardonnay ist, erhärtet sich, wenn man den La Fauquette 2015 des Jura-Winzers Michel Gahier im Glas hat. In der Nase dominieren reife, dezent geröstete Walnuss, angeschnittener leicht oxidierter Apfel und ein zarter Vanilleton: Eine typische Jura-Chardonnaynase. Im Mund nimmt der Wein dann Fahrt auf. Die Walnuss verliert mit der Zeit ihren gerösteten Charakter und zeigt sich mehr und mehr von der rohen, kantigen ungerösteten Seite, bis sie nach einigen Minuten im Glas bei einem ähnlichen bissigen Haselnusscharakter angelangt ist, wie er auch in vielen niedrig dosierten Champagnern zu finden ist. Auch die Apfelaromatik verlagert sich, weg von der Frucht hin zur Schale: straff, adstringent und fordernd.

Trotz des spürbar hohen Tanningehalts und der Verweigerungshaltung gegenüber Primärfrucht, ist Michel Gahiers Melon-à-Queue-Rouge kein anstrengender Wein. Besonders der vanillige Schmelz gibt ihm eine gewisse Lässigkeit, die charmant dazu einlädt, sich mit seinen nonchalanteren Wendungen auseinanderzusetzen. Die kommen vor allem durch den naturnahen Ausbau zustande. Außerhalb des Jura, wäre Michel Gahier wohl dem sogenannten Naturwein zuzuordnen. Im Jura geht er aber als Traditionalist durch. Oxidation ist hier den Winzern seit jeher eher Freund als Feind und das Flaggschiff der Region der Vin Jaune ist sogar rechtlich zum Oxidieren verdammt. Wenn Most oder Wein oxidiert – und wenn die Winzer die Oxidation im Griff haben –, entsteht Acetaldehyd, ein Stoff der in vielen fruchtbetonten Weinstilistiken störend wirkt, der im Jura aber für die typische Herbe verantwortlich ist, die an frische Champignons, Walnuss und alte Apfelschalen erinnert. Auch in Michel Gahiers Wein vermute ich einen hohen Gehalt an Acetaldehyd, was ihm Bissigkeit und Komplexität gibt.

Ein phänomenöser Wein, der sogar seine 14 Volumenprozent Alkohol ohne zu murren wegsteckt. Wen interessiert da noch die Rebsorte?

Herzlichen Dank an Paul Kern und seinem Blog: Champagner & Schorle

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